“Samson et Dalila”
by Camille Saint-Saëns libretto (German)
| Personen |
| Samson — Tenor Dalila — Mezzosopran Oberpriester des Dagon — Bariton Abimélech (Satrap von Gaza) — Bass Ein alter Hebräer — Bass Ein Bote der Philister — Tenor Erster Philister — Tenor Zweiter Philister — Bass Ein Knabe — stumme Rolle Krieger, Offiziere, Priester, Tempeldiener, Wachen, Fürsten und Volk der Philister; Volk der Hebräer Priesterinnen — Ballett Ort und Zeit Gaza in Palästina, um 1150 v. Chr. |
| Erster Akt |
| Erste Szene |
| Ein großer Platz in der Stadt Gaza in Palästina; links die Säulenhalle des Dagon-Tempels. Das hebräische Volk – Männer und Frauen – ist in schmerzgebeugter Haltung auf dem Platz versammelt und betet. Unter ihnen ist Samson. Es ist Nacht. |
| Hebräer Gott! Gott Israels! Erhöre das Gebet deiner Kinder, die dich auf Knien anflehen, erbarme dich deines Volkes und seines Unglücks! Möge sein Schmerz deinen Zorn besiegen! Einst wandtest du dich von uns ab, und von diesem Tag an war dein Volk besiegt! Willst du, Herr, daß von allen Völkern jenes ausgelöscht werde, das dich kennt? Tagtäglich flehe ich zu dir, doch vergeblich; er ist taub meinen Worten, antwortet mir nicht! Und dennoch erflehe ich hier vom Abend bis zur Morgenröte die Hilfe seines Arms! Wir haben gesehen, wie unsere Städte verwüstet wurden, wie die Heiden deinen Altar geschändet haben; und unter ihrem Joch haben unsere Stämme alles verloren, sogar ihren Namen: Israel! Und unter ihrem Joch, usw. Bist du denn nicht mehr der Gott der Befreiung, der unser Volk aus Ägypten geführt hat? O Gott! Hast du dieses göttliche Bündnis gebrochen, das heilige Versprechen, das du unseren Ahnen gabst? Samson (tritt rechts aus der Menge hervor) Haltet ein, meine Brüder! Und preist den Namen des heiligen Gottes unserer Väter! Denn die Stunde der Vergebung steht vielleicht bevor! Ja, ich höre in meinem Herzen eine stolze Stimme! Es ist die Stimme des Herrn, die durch meinen Mund spricht: Dieser Gott voller Güte, den unser Gebet gerührt hat, verspricht uns die Freiheit! Brüder, so brechen wir unsere Ketten, errichten wir den Altar für den einen Gott Israels! |
| Hebräer Ach! Ach! Nur leere Worte! Wo sollen wir die Waffen finden, um in den Kampf zu ziehen? Wie sollen wir uns rüsten? Wir haben doch nur unsere Tränen! Samson Hast du ihn also vergessen, ihn, dessen Stärke sich einst mit dir verbündet hat? Ihn, der in seiner Güte so oft für dich hat seine Orakel sprechen lassen, ihn, der mit seinen Wundern deinem Glauben neue Kraft gab? Ihn, der durch das Meer unseren Vätern auf der Flucht aus schändlicher Sklaverei einen Weg zu bahnen wußte? Hebräer Die Zeiten sind vorbei, als der Gott unserer Väter seines Kinder beschützte, ihre Gebete erhörte! Samson Elende! Schweigt still! Mit euren Zweifeln lästert ihr Gott! Auf Knien wollen wir beten zum Herrn, der uns liebt! In seine Hände wollen wir legen die Sorge um unseren Ruhm und unsere Lenden gürten im Vertrauen auf den Sieg! Er ist der Gott des Kampfes! Er ist der Gott der Heerscharen! Er wird euch rüsten mit unbesiegbaren Klingen! Hebräer Ah! Der Geist des Herrn spricht aus ihm! So wollen wir aus unserem Herzen diese schändliche Angst verbannen! Wir wollen mit ihm ziehen im Kampf für unsere Freiheit! Jehovah! Jehovah! Jehovah! Jehovah! Jehovah geleitet ihn und gibt uns wieder Hoffnung! |
| Zweite Szene |
| (Abimelech tritt von links her auf, ihm folgen Krieger und Soldaten der Philister.) |
| Abimelech Wer nur erhebt hier seine Stimme? Schon wieder diese Sklavenhorde, die unserer Macht zu trotzen wagt und ihre Fesseln sprengen will! Laßt eure Seufzer und eure Tränen, die unsere Geduld erschöpfen; erfleht statt dessen die Gnade derer, die eure Herren wurden! Dieser Gott, zu dem ihr ruft, wollte euer Schreien nicht hören, und ihr wagt immer noch, zu ihm zu beten? Er liefert euch unserer Verachtung aus. Wenn seine Macht etwas taugt, soll er doch seine Göttlichkeit zeigen! Er soll eure Ketten zerbrechen, soll euch in die Freiheit entlassen! Glaubt ihr denn, dieser Gott käme Dagon gleich, dem größten Gott, der mit seinem mächtigen Arm unsere siegreichen Krieger lenkt? Von Angst erfüllt ist eure Gottheit, floh zitternd vor ihm, wie eine Taube feige flüchtet vor dem Geier, der sie verfolgt! Samson (erleuchtet) Du bist es, den sein Mund beleidigt, und die Erde hat noch nicht gezittert? O Herr, das Maß aller Demütigung ist voll! Ich sehe in der Engel Händen die feurigen Waffen blitzen, und vom Himmel herab eilen die Heerscharen zur Rache Gottes. Ja, selbst der Engel der Finsternis erschrickt vor ihnen, stößt höllische Schreie aus, die den Himmel erbeben lassen. Endlich ist die Stunde gekommen, die Stunde des rächenden Gottes, und ich höre, wie sein Grimm aus den Wolken hervorbricht. Ja, vor seinem Zorn erzittert alles und flieht! Man spürt, wie die Erde erbebt; am Himmel zuckt der Blitz! |
| Hebräer Ja, vor seinem Zorn erzittert alles und flieht! Abimelech Halt ein! Wahnsinniger, verwegener Narr ... Hebräer Man spürt, wie die Erde bebt; am Himmel zuckt der Blitz! Abimelech ... oder fürchte dich vor meinem Zorn! Samson Israel! Zerbrich deine Ketten! O mein Volk, erhebe dich! Komm und stille deinen Haß! Der Herr ist mit mir! O du, Gott des Lichtes, wie einst in alter Zeit erhöre mein Gebet und streite für deine Gesetze. Hebräer Israel! Zerbrich deine Ketten! usw. Samson Ja, vor seinem Zorn erzittert alles und flieht! Man spürt, wie die Erde bebt; am Himmel zuckt der Blitz! Er läßt Unwetter toben, gebietet dem Orkan; wenn er vorübergeht, weicht gar der Ozean! Hebräer Israel! Zerbrich deine Ketten! usw. Israel! Erhebe dich! Erhebe dich! (Abimelech stürzt sich mit dem Schwert in der Hand auf Samson, um ihn zu erschlagen. Samson entreißt ihm die Waffe und streckt ihn nieder. Die Philister in der Begleitung des Satrapen wollen ihm zu Hilfe eilen; Samson schwenkt sein Schwert und treibt sie zurück. Ihm gehört die rechte Seite der Bühne; unter den Philistern herrscht Panik. Samson und die Hebräer gehen nach rechts ab.) |
| Dritte Szene |
| (Die Pforten des Dagon-Tempels öffnen sich; der Oberpriester mit zahlreichen Dienern und Wächtern im Gefolge steigt die Stufen der Säulenhalle herab; vor der Leiche Abimelechs bleibt er stehen; die Philister weichen vor ihm zurück.) |
| Oberpriester Was sehe ich! Abimelech! Erschlagen von Sklaven! Warum laßt ihr sie entfliehen? Lauft, lauft, ihr tapferen Leute! Rächt euren Herrn, zermalmt unter euren Hieben dieses rebellische Volk, das sich eurem Zorn widersetzt! Erster Philister Ich spürte, wie das Blut mir in den Adern stockte; mir schien, man wollte mich in Ketten legen. Zweiter Philister Ich suche vergeblich meine Waffen, meine Arme sind kraftlos, mein Herz ist voller Furcht, mir zittern die Knie! Oberpriester Ihr Feiglinge! Feiger noch als Frauen! Ihr flieht, wenn es kämpfen heißt! Fürchtet ihr, das Feuer ihres Gottes könnte euch den Arm versengen? |
| Vierte Szene |
| (Ein Bote der Philister tritt auf.) Bote Der Philister Herr! Die wilde Horde, von Samson geführt, tobt durch unser Land und verwüstet die Ernte. Erster und Zweiter Philister Weichen wir der Gefahr! Erster und Zweiter Philister, Bote Rasch fort hier von diesem Ort! Herr, laß uns die Stadt verlassen, unsere Schmach verbergen! |
| Oberpriester Auf ewig verflucht sei die Rasse der Kinder Israels! Ich will ihre Spuren auslöschen, sie in Gift und Galle ertränken! Verflucht sei ihr Führer! Ich werde ihm die morschen Knochen, die schmachtende Kehle zertrampeln ohne geringstes Mitleid! Verflucht sei der Leib der Frau, die ihn geboren hat! So soll denn ein ehrloses Weib seine Liebe verraten! Verflucht sei der Gott, den er liebt, dieser Gott, seine einzige Hoffnung, dessen Altar und dessen Macht ich haßerfüllt stets schmähen werde! Bote, Erster und Zweiter Philister Fliehen wir in die Berge, verlassen wir diesen Ort, unsere Häuser, unsere Frauen und gar unsere Götter! Oberpriester Israel sei verflucht von unseren Göttern! (Sie gehen nach links ab und nehmen Abimelechs Leiche mit. Sobald die Philister und der Oberpriester die Bühne verlassen haben, treten die Hebräer, Frauen und alte Männer, von links her auf.) |
| Fünfte Szene |
| Alte Hebräer Lobgesang der Freude, Lobgesang der Befreiung, steige zum Ewigen empor! Er hat in seiner Allmacht geruht, Israel beizustehen! Durch ihn ist der Schwache zum Herrn des Starken geworden, der ihn unterdrückte! Er hat den Stolzen besiegt und den Verräter, dessen Stimme ihn beleidigte! (Die Hebräer, von Samson geführt, treten von links auf.) Ein Alter Hebräer Er strafte uns mit seinem Zorn, denn wir haben seine Gebote übertreten. Später, die Stirn in den Staub gebeugt, erhoben wir zu ihm unsere Stimme. Er sprach zu seinen geliebten Stämmen: Erhebt euch, zieht in den Kampf! Ich bin der Herr der Heerscharen, ich bin die Stärke eures Arms! Alte Hebräer, Ein Alter Hebräer Er wandte sich uns zu in unserer Not, denn seine Söhne sind ihm teuer. Die Welt soll vor Freude erbeben! Er hat unsere Fesseln gesprengt! Lobgesang der Freude, Lobgesang der Befreiung, steige zum Ewigen empor! Er hat in seiner Allmacht geruht, Israel beizustehen! |
| Sechste Szene |
| (Die Pforten des Dagon-Tempels öffnen sich. Dalila erscheint, hinter ihr Philisterinnen mit Blumengirlanden in der Hand.) |
| Philisterinnen Der Lenz ist da, er bringt uns Blumen, die Stirn der siegreichen Krieger zu schmücken! Zarter Gesang erklinge zum Duft der Rosen, deren Knospen sich öffnen! Mit den Vögeln wollen wir singen, Schwestern! Schönheit, Himmelsgabe, Lenz unserer Tage, süße Augenweide, Hoffnung der Liebenden, dringe in unser Herz, entzünde in unserer Seele deine zarten Flammen! Wir wollen lieben, meine Schwestern, ewig lieben! Dalila (zu Samson) Ich komme, den Sieg dessen zu feiern, der mein Herz regiert. Dalila wünscht ihrem Bezwinger noch viel mehr Liebe als Ruhm! O mein Geliebter, folge meinem Weg nach Sorek, in das liebliche Tal, in das einsame Haus, wo Dalila die Arme dir öffnet! Samson (beiseite) O Gott! Der du meine Schwachheit siehst, erbarme dich deines Dieners! Verschließe mir die Augen, das Herz vor der schmeichelnden Stimme der Versuchung! Dalila Für dich habe ich die Stirn bekränzt mit dunklen Ligusterzweigen und mir Rosen aus Saron in mein pechschwarzes Haar gesteckt! |
| Alter Hebräer Weiche mein Sohn, von ihrem Wege! Fürchte und meide dieses fremde Mädchen! Samson Verhülle ihr Antlitz, dessen Schönheit mir Sinne und Seele vernebelt! Und in ihren Augen lösche die Flamme aus, die mich meiner Freiheit beraubt! Alter Hebräer Verschließe dein Ohr vor ihren Lügen, meide das Gift dieser Schlange. Dalila Süß ist der Duft der Maiglöckchen; süßer noch sind meine Küsse; und der Saft der Alraune schmeckt nicht so köstlich, Geliebter! Nimm deine Liebste in die Arme, laß sie an deinem Herzen ruhen wie ein Kissen süßer Düfte, dessen Wohlgeruch berauscht. Ach! Komm! Samson Lodernde Flamme, die mich verzehrt, die sie von neuem hier in mir entfacht, verlösche doch, verlösche doch, bei Gott! Erbarmen, Herr, erhöre mein Flehen! Ach! Erbarmen, Herr, erhöre mein Flehen! Herr! Alter Hebräer Weh dir, wenn du dem Gesäusel dieser Stimme erliegst, dieser Stimme, noch süßer als Honig! Nie werden deine Augen genug Tränen haben, den Zorn des Himmels auszulöschen! Tanz der Priesterinnen Dagons (Die jungen Mädchen in Dalilas Begleitung tanzen und schwenken die Blumengirlanden, die sie in der Hand halten, und scheinen damit die hebräischen Krieger in Samsons Begleitung reizen zu wollen. Samson, sichtlich verwirrt, versucht vergeblich, Dalilas Blicken auszuweichen; wider seinen Willen verfolgt er mit den Augen alle Bewegungen der Verführerin, die sich mit sinnlichen Posen und Bewegungen am Tanz der jungen Philisterinnen beteiligt.) |
| Dalila Der Lenz hebt an, mit Hoffnung erfüllt er die liebenden Herzen. Dein wehender Atem tilgt von der Erde die Spuren trüber Tage. Uns brennt in der Seele sanft dein Feuer, làßt unsere Tränen trocknen; auf geheimnisvolle Weise gibst du unserer Erde wieder Blumen und Früchte. Was taugt meine Schönheit! Mein Herz voller Liebe weint um den Treulosen, erwartet ihn zurück! Hoffnungsvoll zehrt trübselig mein Herz von der Erinnerung an vergangenes Glück! (Sie wendet sich an Samson.) Wenn die Nacht hereinbricht, setze ich mich heute traurig unten ans Wasser und warte weinend auf ihn! Meine Trauer wird weichen, wenn er wiederkehrt. Ihm gilt meine Zärtlichkeit, und der süße Rausch lodernder Leidenschaft bleibt ihm bewahrt! Aler Hebräer Ein böser Geist hat diese Frau auf deinen Weg geschickt, deine Ruhe zu stören. Meide die lodernde Flamme ihrer Blicke! Dieses Gift, das deine Kräfte verzehrt. Dalila Meine Trauer wird weichen, wenn er wiederkehrt. Ihm gilt meine Zärtlichkeit ... (Dalila geht zu den Tempelstufen zurück und sieht Samson herausfordernd an; dieser scheint ihrem Charme erlegen zu sein. Seinem Zögern ist der innere Kampf und seine Verwirrung anzumerken.) ... Ihm gilt meine Zärtlichkeit! Und der süße Rausch lodernder Leidenschaft bleibt ihm bewahrt! |
| Zweiter Akt |
| Vorspiel Erste Szene |
| Das Tal Sorek in Palästina. Links Dalilas Haus mit einer kleinen Säulenhalle, umgeben von asiatischen Pflanzen und üppig wuchernden Lianen. Der Vorhang hebt sich über der Abenddämmerung, und im Verlauf des Aktes wird es allmählich immer dunkler. (Dalila, aufreizender gekleidet als im ersten Akt, sitzt in Gedanken versunken auf einem Felsen in der Nähe ihres Hauses.) |
| Dalila Samson wird mich aufsuchen wollen, er kommt gewiß heute abend hierher. Das ist die Stunde der Rache, die unseren Göttern Genugtuung bringt! Liebe! Hilf mir in meiner Schwachheit! Gieße das Gift in seine Brust! Sorge, daß umgarnt durch meine Tücke Samson morgen bezwungen ist! Vergeblich möchte er wohl mich vertreiben aus seinem Herzen, mich verbannen! Wie könnte er die Flamme löschen, die von der Erinnerung Nahrung erhält? Er gehört mir, er ist mein Sklave! Meine Brüder fürchten seinen Zorn, ich ganz allein vermag ihm zu trotzen, zwinge ihn mir zu Füßen! Liebe! Hilf mir in meiner Schwachheit! Gieße das Gift in seine Brust! Sorge, daß umgarnt durch meine Tücke Samson morgen bezwungen ist! Gegen die Liebe ist er wehrlos, er, der Stärkste unter allen Starken, er, der eines Volkes Ketten gesprengt hat, wird meinem Zauber erliegen. |
| Zweite Szene |
| (Der Oberpriester tritt ein.) Oberpriester Ich bin ins Gebirge gestiegen, um zu dir zu gelangen; Dagon, der mich geleitet, hat mich zu deinem Haus geführt. |
| Dalila Seid gegrüßt, mein Vater! Seid willkommen, hier, wo man euch verehrt! Oberpriester Unser Schicksal ist dir bekannt. Mit leichtem Sieg haben die hebràischen Sklaven unsere Stadt in ihre Hand gebracht. Unsere Soldaten sind vor ihnen voller Entsetzen geflohen, als sie nur Samsons Namen hörten. Seine schreckenerregende Kühnheit hat ihren Verstand verwirrt. Verhängnisvoll für unser Volk! Von seinem Gott erhielt er die Kraft und diesen Mut, gebunden an ein Gelübde. Von Geburt an ist Samson vom Himmel auserwählt, das Volk Israel wieder an die Macht zu bringen. Dalila (bitter) Ich weiß, daß sein Mut euren Zorn herausfordert und sich keine Untat denken läßt, die er euch nicht zugedacht hätte. Oberpriester Dir zu Füßen hat seine Kraft ihn einst verlassen; doch seitdem müht er sich, Dalila zu vergessen. Es heißt, er habe die Neigung zu dir aus seiner Seele gebannt, er scherzt über diese Liebe, die nur einen Tag alt wurde! Dalila Ich weiß. Von seinen Brüdern hört Samson bittere Vorwürfe, sie warnen ihn ständig vor unserer Liebe, doch er kämpft vergeblich gegen seinen Willen an. Ich weiß, wie sehr er mich liebt, und mein Herz fürchtet nichts. Er sucht vergeblich mir zu widerstehen; er ist stark im Kampf, doch er ist mein Sklave und zittert in meinen Armen. |
| Oberpriester Sei uns dienlich mit deiner Macht! Gewähre uns deine Hilfe! Daß er wehrlos und hinterrücks noch heute überwältigt werde! Verkaufe mir deinen Sklaven Samson! Den Preis für ihn zahle ich gern, und das sind nicht leere Worte: Du kannst aus meinen Schätzen wählen. Dalila Was kümmert Dalila dein Gold? Was könnte ein ganzer Schatz ausrichten, wenn ich mir selbst die Rache nicht erträumte? Auch dich habe ich bei all deiner Weisheit mit dieser Liebe getäuscht. Samson hat euch einmal bezwungen, doch mich hat er nicht besiegen können, denn ich hasse ihn so sehr wie du! Oberpriester Ich hätte deinen Haß und deinen Plan erraten können! Mein Herz hüpft vor Freude, wenn ich dich reden höre. Doch hast du nicht schon oft genug an ihm vergeblich deine Macht gemessen, deine Kunst erprobt? Dalila Ja! ... dreimal schon habe ich insgeheim das Geheimnis seiner Kraft zu ergründen versucht. Ich habe diese Liebe entfacht, hoffte, ihre Flamme würde mich das Rätsel in seiner Seele ergründen lassen. Doch schon dreimal hat er meinen Plan durchkreuzt, hat nichts preisgegeben, hat mir nichts verraten. Vergeblich habe ich wilde Leidenschaft geheuchelt, hoffte, durch meine Zärtlichkeit sein Herz zu erweichen! Ich sah den stolzen Helden von meinen Armen umschlungen, er riß sich von meinem Lager los, eilte fort in den Kampf. Doch heute ist er meiner Macht erlegen, ich habe ihn vor mir erbleichen, erzittern sehen, und ich weiß es, jetzt läßt er sein Volk im Stich, kommt hierher, das Band unserer Liebe neu zu knüpfen. Für diesen letzten Kampf bin ich gerüstet: Samson wird meinen Tränen nicht widerstehen. |
| Oberpriester Möge Dagon, unser Gott, seine Arme ausbreiten! Im Kampf für seine Ehre wirst du mit seiner Hilfe siegen! Dalila Ich muß, um meinen Haß zu stillen, ich muß ihn mit meinem Zauber umgarnen! Er soll, von der Liebe besiegt, seine Stirn vor mir beugen! Oberpriester Ich will, um meinen Haß zu stillen, ich will, daß Dalila ihn umgarne; er soll, von der Liebe besiegt, seine Stirn vor ihr beugen! Dalila Ich muß, um meinen Haß zu stillen, usw. Oberpriester Du bist meine einzige Hoffnung, nur dir gebührt die Ehre der Rache! Nur dir! Ich will, um meinen Haß zu stillen, usw. Dalila Mir gebührt die Ehre der Rache! Mir die Ehre! Mir! Ich muß, um meinen Haß zu stillen, usw. Ah! Dalila und Oberpriester Wir beide wollen uns verbünden! Wir beide wollen uns verbünden! Tod! Tod! Tod! Tod! Tod! Tod dem Führer der Hebräer! Oberpriester Samson, sagtest du, käme heute hierher? Dalila Ich erwarte ihn! Oberpriester Dann gehe ich besser, er könnte uns überraschen. Bald komme ich wieder auf geheimem Wege. Das Schicksal meines Volkes, o Frau, liegt in deiner Hand. |
| Zerbrich die harte Schale um sein Herz, entdecke das Geheimnis seiner großen Kraft! (Er geht ab.) Dalila (Sie geht von der linken Seite der Bühne auf ihr Haus zu und lehnt sich nachdenklich an eine der Säulen.) Könnte es sein, daß auf sein Herz die Liebe keine Macht mehr hat? Die Nacht ist so dunkel und ohne Licht ... Nichts deutet auf seine Gegenwart. Ach! Er kommt nicht! (Samson kommt von rechts. Er scheint erregt und verwirrt, er zögert und schaut sich um. Es wird noch dunkler.) |
| Dritte Szene |
| (Blitze in der Ferne) Samson An diesen Ort kehre ich zurück, ganz gegen meinen Willen ... Ich möchte fliehen, ach! und kann nicht! Ich verfluche meine Liebe ... und doch liebe ich noch immer ... Fort, nur fort von diesem Ort, wohin meine Schwachheit mich drängt! |
| Dalila (geht auf Samson zu) Du bist es! Du bist es, mein Geliebter! Ich habe dich erwartet! Wenn ich dich sehe, vergesse ich die Stunden meines Leidens! Sei mir gegrüßt, mein zärtlicher Gebieter! Samson Laß diesen Überschwang! Deine Worte höre ich nicht ohne Reue und Scham! Dalila Samson! O du! mein Geliebter, weshalb verschmähst du meine Zärtlichkeit? Weshalb wendest du dich von mir ab, willst mich nicht mehr liebkosen? Samson Du warst immer meinem Herzen teuer, und du wirst es ewig bleiben! Ich gäbe so gern mein Leben für diese Liebe, die mich glücklich machte! |
| Dalila In meiner Nähe, bei mir weshalb solche Angst? Mißtraust du gar meinem Herzen? Bist du nicht mein Herr und Meister? Hat die Liebe ihren Reiz für dich verloren? Samson Ach! Als Sklave meines Gottes füge ich mich seinem heiligen Willen; wir müssen Abschied nehmen, ohne Furcht und ohne Klagen die zarten Fesseln unserer Liebe lösen. Für Israel erwacht neue Hoffnung. Der Herr hat den Tag bestimmt, der uns die Freiheit schenken wird! Er sprach zu seinem Diener: Ich habe dich auserwählt, deine Brüder zum Herrn zu führen und ihrem Elend ein Ende zu bereiten. Dalila Was kümmert mich in meiner Traurigkeit das Schicksal Israels und seine Ehre? Für mich ist entgangenes Glück das einzige Ergebnis deines Sieges. Die Liebe hat mir den Verstand verwirrt, als ich deinen Schwüren glaubte, und ich habe doch nur Gift getrunken, als deine Liebkosungen mich berauschten. Samson Ach! Quäle mich doch nicht noch mehr! Ich folge dem Gebot des Allerhöchsten ... Deine Tränen geben meinem Schmerz neue Nahrung! Dalila! Dalila! Ich liebe dich! (Blitze in der Ferne) Dalila Ein mächtigerer Gott als der deine, mein Freund, spricht aus meinem Mund zu dir: Der Gott der Liebe, er ist mein Gott! Und wenn die Erinnerung dir etwas wert ist, so denke an jene schönen Tage, als du zu Füßen deiner Liebsten saßest und sie ewig zu lieben versprachst, doch nur sie allein, ach! blieb dir treu! Samson Du bist von Sinnen! Wagst, mich anzuklagen, wo ich mich so sehr nach dir verzehre! Ja! Würde mich der Blitz doch erschlagen, würde mich sein Feuer doch vernichten, (Die Blitze kommen näher.) meine Liebe zu dir ist so groß, daß ich dich Gott zum Trotz zu lieben wage! Ja! Wenn ich gar daran zugrundeginge, Dalila! Dalila! Ich liebe dich! |
| Dalila Mein Herz öffnet sich deiner Stimme, wie sich die Blumen den Küssen der Morgenröte öffnen! Doch, mein Geliebter, um meine Tränen ganz zu trocknen, sprich weiter zu mir! Sage mir, daß du zu Dalila für immer zurückkehrst! Wiederhole mir doch die Schwüre von einst, die Schwüre, die ich so liebte! Ach! Sei wieder zärtlich zu mir! Laß mich trunken sein vor Glück! Sei wieder zärtlich zu mir, usw. Samson Dalila! Dalila! Ich liebe dich! Dalila Wie man die Kornähren in sanfter Brise sich wiegen sieht, so erzittert mein Herz in der Hoffnung auf Trost von deiner so geliebten Stimme! Der todbringende Pfeil fliegt nicht so schnell zum Ziel wie deine Geliebte dir in die Arme! Dir in die Arme! Ach! Sei wieder zärtlich zu mir! Laß mich trunken sein vor Glück! Sei wieder zärtlich zu mir, usw. Samson Mit meinen Küssen will ich deine Tränen trocknen, die Angst aus deinem Herzen vertreiben! Ich will deine Tränen trocknen! Ich will deine Tränen trocknen! Dalila! Dalila! Ich liebe dich! (heftiger Donnerschlag) Dalila Aber! ... nein! Was sage ich? Ach! traurig ist Dalila, zweifelt an deinen Worten. Du hast mich schon einmal in die Irre geführt, hast mich mit deinen falschen Schwüren getäuscht! |
| Samson Wenn ich für dich gar Gott zu vergessen wage, seine Ehre, mein Volk und meinen Schwur! Diesen Gott, der mich schon bei Geburt mit seiner Macht heiligem Siegel versah! Dalila Nun ja! Versuche, meine Liebe zu verstehen! Dein Gott ist es, den ich beneide! Diesen Gott, der dich zur Welt gebracht hat, diesen Gott, der dein Leben geweiht hat! Der Schwur, der dich an diesen Gott bindet, und deinem Arm furchterregende Kraft gibt, gestehe meiner Liebe seinen Inhalt! Vertreibe den Zweifel, der mich so quält! (Blitze und Donner in der Ferne) Samson Dalila! Was verlangst du von mir? Fürchte nicht, daß ich dir mißtraue! Dalila Wenn mir meine Macht geblieben ist, so will ich heute sie erproben, ich will deine Liebe erproben, verlange von dir Vertrauen. (Blitze und Donner kommen immer näher.) Samson Ach! Was bedeutet für dein Glück das heilige Band, das mich fesselt, dieses Geheimnis, verborgen in meinem Herzen? Dalila Mit dem Bekenntnis lindere meinen Schmerz! Samson Du mühst dich vergeblich, es mir zu entreißen! Dalila Ja! Nichts wert ist meine Macht, nichts wert ist deine Zärtlichkeit! Wenn ich es kennen will, dieses Geheimnis, das mich verletzt, es mit dir teilen will, so wagst du, in deinem Innern ohne Scham und Mitgefühl, mir zu sagen, ich sei es nicht wert? Samson Unermeßlich ist der Schmerz, der auf meiner Seele lastet! Aus tiefer Not, Herr, rufe ich zu dir. |
| Dalila Ich hatte mich für ihn geschmückt in der Schönheit meiner Jugend! Jetzt habe ich nichts mehr, kann nur noch Tränen weinen. Samson Allmächtiger Gott, ich erflehe deine Hilfe! Dalila Meine Stimme ist zu schwach, das letzte Lebewohl zu sagen. Fliehe! Samson, fliehe diesen Ort, wo deine Liebste sterben wird! Samson Laß mich! Dalila Dein Geheimnis? Samson Ich kann nicht. Dalila Dein Geheimnis? Das Geheimnis, das mich so quält! Samson Das Unwetter auf diesen Bergen entfesselt seinen Zorn. Der Herr läßt über uns seinen Donner grollen. Dalila Ich trotze ihm mit dir. Komm! Samson Nein! Dalila Komm! Samson Laß mich! Ich kann mich nicht entschließen ... Dalila Was kümmert mich der Donner! |
| Samson Es ist die Stimme meines Gottes. Dalila Feigling! Herzloser Mensch! Ich verachte dich! Leb wohl! (Dalila läuft zu ihrem Haus; das Unwetter tobt mit aller Gewalt. Samson hebt die Arme zum Himmel, als wolle er Gott anrufen. Er stürzt hinter Dalila her, zögert und tritt schließlich in ihr Haus. Von rechts nähern sich Soldaten der Philister leise dem Haus Dalilas. Heftiger Donnerschlag. Dalila erscheint am Fenster:) Zu mir! Philister! Zu mir! Samson Verrat! (Die Soldaten stürzen in Dalilas Haus.) |
| Dritter Akt |
| Erstes Bild |
| Das Gefängnis von Gaza |
| Erste Szene |
| (Samson, in Ketten gebunden, blind, die Haare geschoren, dreht eine Handmühle. Hinter der Bühne Chor der gefangenen Hebräer.) |
| Samson Sieh meine Not, ach! Sieh meine Verzweiflung! Erbarmen, Herr! Erbarmen mit meiner Schwachheit! Von deinem Wege bin ich abgewichen! Du hast mir deine schützende Hand entzogen. Ich opfere dir, o Gott, meine arme zerrissene Seele, dem Spott meiner Feinde bin ich nun ausgeliefert. Sie haben mir das Himmelslicht genommen; sie haben mich mit Bitterkeit und Haß erfüllt. Hebräer Samson, was hast du deinen Brüdern angetan? Samson, was hast du dem Gott deiner Väter angetan? Samson Ach! Israel ist gefesselt in Ketten, hat des Himmels Rache auf sich gezogen und nun keine Hoffnung mehr nach all dem Leid, das es ertrug. Laß unsere Stämme vor deinen Augen Gnade finden! Erspare deinem Volk den Schmerz! Erbarme dich ihrer Not, Herr, du, dessen Mitleid nie ermüdet! |
| Hebräer Gott hat uns deinen Händen anvertraut, uns zu führen im Kampf. Samson! Was hast du deinen Brüdern angetan? Samson! Was hast du deinen Brüdern angetan? Was hast du dem Gott deiner Väter angetan? Samson Brüder! Euer Klagegesang dringt zu mir in die dunkle Nacht, durchflutet mit Todesangst mein schuldbeladenes Herz. Gott! Nimm mein Leben als Opfer an, um deinen Zorn zu stillen! Hebräer Für eine Frau hat er uns verkauft ... Samson Von Israel ... Hebräer Für eine Frau hat er uns verkauft ... Samson ... wende deine Rache ab ... Hebräer ... hat Dalila für ihre Dienste bezahlt. Samson ... und deine Gerechtigkeit will ich preisen! Hebräer Sohn des Manoah, was hast du mit unserem Blut, mit unseren Tränen getan? Samson Dir liege ich reumütig zu Füßen, ich segne die Hand, die mich schlägt. Laß, Herr, dein Volk der Wut der Feinde entkommen! Hebräer Samson! Was hast du deinen Brüdern angetan? Was hast du dem Gott deiner Väter angetan? (Die Philister treten in den Kerker ein und bringen Samson fort.) |
| Zweites Bild |
| Zweite Szene |
| In Innern des Dagon-Tempels. Eine Statue des Gottes. Ein Opfertisch. In der Mitte des Heiligtums zwei Marmorsäulen, auf denen das Gebäude zu ruhen scheint. (Der Oberpriester des Gottes Dagon, von Philisterfürsten umgeben. Dalila in der Begleitung von jungen Philisterinnen mit Blumen im Haar und Kelchen in der Hand. Im Tempel drängt sich das Volk. Tagesanbruch.) |
| Philister Schon dämmert der Morgen über den Hügeln, löscht aus die Fackeln einer so herrlichen Nacht; wir wollen weiterfeiern, wenn auch der Tag schon graut, und uns noch mehr lieben! Die Liebe schenkt unseren Herzen Vergessen, im Morgenwind flieht der Schatten der Nacht wie ein leichter Schleier am Horizont. Im Osten rötet es sich, und hinter den Bergen leuchtet die Sonne, wirft ihre Strahlen der Erde in den Schoß. Bacchanal |
| Dritte Szene |
| (Samson von einem Kind geführt) Oberpriester Zum Gruß! Gegrüßt sei der Richter Israels, der unser Fest durch seine Gegenwart erheitern wird! Dalila! Laß einen Kelch für ihn füllen! Kredenze deinem Liebsten den Met! Er wird den Becher leeren auf das Wohl seiner Herrin und ihre Zauberkünste! Philister Samson! Samson! Wir trinken mit dir! Samson! Samson! Auf Dalila, deine Königin! Leere den Becher ohne Furcht! Der Rausch wird den Kummer vertreiben. Samson (beiseite) Zu Tode betrübt, Herr, beuge ich meine Stirn vor dir; möge durch deinen göttlichen Willen sich hier mein Schicksal erfüllen! |
| Dalila (geht auf Samson zu mit einem Pokal in der Hand) Laß mich deine Hand nehmen und dir den Weg zeigen wie einst auf dem dunklen Pfad, der ins Tal führt, als du mir folgtest und mich in deine Arme nahmst! Du hast die Berge erklettert, um zu mir zu gelangen, und ich wich meinen Freunden aus, um mit dir allein zu sein. Erinnere dich unserer Lust! Erinnere dich an meine Zärtlichkeit! Die Liebe diente meinem Plan. Um meine Rache zu stillen, habe ich dir das Geheimnis entrissen! Ich hatte es schon vorher verkauft. Du glaubtest an diese Liebe. Sie hat dich in Ketten gelegt. Dalila rächt nun ihren Gott, ihr Volk und seine Schmach. Philister Dalila rächt nun ihren Gott, ihr Volk und seine Schmach. Samson Als du sprachst, blieb ich taub; und in der Verirrung meines Herzens, o Herr, habe ich die Liebe entweiht, als ich dieser Frau sie schenkte. Oberpriester Nun los, Samson, laß uns lachen, wiederhole für deine Liebste die süßen Worte, das zarte Gesäusel, welches die Leidenschaft nährt! Soll sich Jehovah doch erbarmen und dich wieder sehend machen! Diesem mächtigen Gott will ich dienen, wenn er dein Gebet erhört! Doch er kann dir nicht helfen, dieser Gott, den du Vater nennst. So darf ich ihn verhöhnen, ihn hassen und spotten über seinen Zorn! Samson Du erlaubst, o Gott Israels, daß dieser dreiste Schwindelpriester in seiner Wut und seinem Zorn deinen Namen verhöhnt, der Himmel ist Zeuge! Wenn ich nur deine Ehre rächen könnte und unerwartet durch ein Wunder meine Kraft, mein Augenlicht, den Sieg zurückbekäme! |
| Philister (lachend) Ha! ha! ha! Ha! ha! ha! usw. Lachhaft ist sein Rasen! Du machst uns keine Angst! Ohnmächtig in deiner Wut siehst du gar nichts! Gib acht auf deine Schritte! Samson! Samson! Du siehst gar nichts! usw. Seine Wut ist zu lustig! Ha! ha! ha! usw. Oberpriester Komm, Dalila, wir wollen unsere Götter ehren, die Jehovah im Himmel erzittern lassen! Wir wollen Dagons Auspizien befragen! Ihm den Opferwein darbringen! |
| (Dalila und der Oberpriester wenden sich zum Opfertisch, wo sich die geweihten Kelche befinden. Ein Feuer brennt auf dem mit Blumen geschmückten Altar. Dalila und der Oberpriester ergreifen die Kelche und gießen ein Trankopfer in das Feuer, das aufflammt, verlöscht und bei der dritten Strophe des Opfergesangs wieder zu lodern beginnt. Samson steht in der Mitte der Bühne, neben ihm das Kind, das ihn führt. Überwältigt vom Schmerz, scheint er in ein Gebet versunken.) |
| Oberpriester und Dalila Dagon dem Sieger sei Ruhm! Er war meiner Schwachheit Beistand, gab mir Kraft, Gewandtheit und List. O du! der Größte von allen! Der du unsere Erde erschaffen hast, dein Geist sei mit uns, o Herr der Götter und der Menschen! Philister Segne unsere Herden mit deiner Hand! Bringe auf den Hügeln unseren Wein zur Reife! Gib wieder Ernte unseren Feldern, die Samson in seinem Haß so sehr verwüstet hat! |
| Dalila und Oberpriester Empfange von unseren Altären das Blut unserer Opfer, das Sterbliche dir bringen zur Sühne ihrer Schuld. Philister Ruhm sei Dagon! Dalila und Oberpriester Den Augen deiner göttlichen Priester, die allein dein Antlitz schauen dürfen, offenbare die Zukunft, die sich dem Blick der anderen Menschen entzieht! Philister Herr, sei gnädig unserem Schicksal! Gib deine Gerechtigkeit den Philistern, gib Ruhm und Ehre deinem Volk im Kampf! Möge der Sieg unserem Schritte folgen! Oberpriester Dagon offenbart sich! Dalila Dagon offenbart sich! Oberpriester Eine neue Flamme ... Dalila Eine neue Flamme ... Oberpriester ... lodert auf dem Altar aus der Asche empor. Dalila ... lodert auf dem Altar aus der Asche empor. Philister Dagon offenbart sich! Dagon offenbart sich! Eine neue Flamme, eine neue Flamme lodert auf dem Altar aus der Asche empor, lodert auf dem Altar aus der Asche empor. |
| Dalila und Oberpriester Der Unsterbliche steigt zu uns herab. Dieser Gott zeigt durch seine Gegenwart seine Stärke und Macht. Philister Dagon offenbart sich! Dagon offenbart sich! Dalila Ah! Philister Dagon offenbart sich! Dagon offenbart sich! Dalila Ah! Oberpriester Der Unsterbliche steigt zu uns herab. Philister Ah! Dalila Der Unsterbliche ... Philister Ah! Dalila ... steigt zu uns herab. Dalila und Oberpriester Dieser Gott zeigt durch seine Gegenwart seine Stärke und Macht hier an diesem Ort. Philister Dieser Gott zeigt, usw. |
| Oberpriester (zu Samson) Um das Schicksal gnädig zu stimmen, los, Samson, komm mit uns vor Dagon, den mächtigen Gott, opfere ihm deinen Kelch auf den Knien! (zu dem Kind) Führe ihn zur Mitte des Tempels, damit ihn das Volk von ferne sehen kann! Samson Herr, erleuchte mich, verlaß mich nicht! Bis zu den Marmorsäulen geleite mich, mein Kind! (Das Kind führt Samson zwischen die Säulen.) Philister Dagon offenbart sich! Eine neue Flamme lodert auf dem Altar aus der Asche empor. Dieser Gott zeigt durch seine Gegenwart hier an diesem Ort seine Stärke und Macht. Herr, sei gnädig unserem Schicksal! Gib deine Gerechtigkeit den Philistern, gib Ruhm und Ehre deinem Volk im Kampf! Möge der Sieg unserem Schritte folgen! Vor dir wird Israels Hochmut ganz klein. Du hast uns geleitet durch deinen Geist, im Kampf hast du durch deinen Spruch das verfluchte Volk besiegt ... Dalila und Oberpriester Ah! Philister ... das verfluchte Volk besiegt, das deinem Zorne, deinen Waffen trotzt! Dalila und Oberpriester Ah! Philister Herr, sei gnädig unserem Schicksal! Gib deine Gerechtigkeit den Philistern, gib Ruhm und Ehre deinem Volk im Kampf! |
| Dalila und Oberpriester Ah! Dalila, Oberpriester, Philister Möge der Sieg unseren Schritten folgen! Philister Dagon sei Ruhm! Dagon sei Ruhm! Ruhm! Ruhm! Ruhm! Samson (steht zwischen den beiden Säulen und versucht, sie zum Wanken zu bringen) Erinnere dich deines Dieners, dem sie das Augenlicht genommen! Gib mir nur einen Augenblick, Herr, meine einstige Stärke zurück! Damit ich dich räche, o Gott, und mich, sie hier an dieser Stelle vernichte! (Der Tempel stürzt ein unter dem Geschrei der Menge.) Dalila, Oberpriester, Philister Ah! |
| ENDE |