“Medea” – Act 3
by Luigi Cherubini libretto (German)
| DRITTER AKT |
| Ein hügeliger Platz, im Hintergrund erhebt sich ein Tempel. (Neris und die beiden Kinder betreten den Palast.) Introduktion Medea Götter! Kommt zu mir, ihr Götter der Hölle! Ihr alle, die ihr meinem Plane beisteht! Eure Macht helfe mir noch einmal, ihr müßt mein Werk vollenden. Bedecke der schwarze Tod den Himmel mit seinem Schleier, und schlage das Volk und den König in seinen schrecklichen Bann! O teure Söhne, mein höchster Schmerz, euch opfere ich nun der dunklen Gottheit des Hasses, möge ich nie für euer vergossenes Blut büßen! Ja! Euer Vater ist es, der euch tötet! Die Erde soll den Verbrecher ausstoßen, der Himmel ihn vernichten! Sie kommen, wehe! Welche Qual! In meiner Brust schlägt das Herz einer Mutter! Natur, vergebens sprichst du nun zu mir. Sie müssen sterben, verachtet sei nun das Leben! Geweiht sind sie todbringenden Erynnien! Nur ihr Wollen herrscht nun in mir! |
| Neris Medea, erfüllt wurde dein Wunsch; das Gewand und das Diadem hat Glauce schon. Sie dankt dir ... Doch warum schweigst du? Schau, hier sind deine Kinder! Medea Die Kinder! Ah! Fort! Fort! Ihr Schlangen, weicht von mir! Bleibt mir vom Leibe! Ihr erstickt mich! Neris Was sagst du? |
| Medea Schau sie nur an! Den selben falschen Blick hat Jason! Sie müssen sterben! (Sie ergreift die Kinder und hebt den Dolch.) Nein, teure Kinder, nein! Ich bin besiegt! Der Sturm im Herzen schweigt; die Tränen fließen wieder aus meinen Augen! Ich sehe sie wieder; noch einmal drücke ich sie an mich; nicht denke ich mehr an das Leid, das mir im Herzen brennt; zurück zu glücklichen Tagen kehrt mein besänftigtes Herz. Den schrecklichen Schmerz, der mein Herz erdrückt, kann niemals etwas vertreiben! Nein! usw. O meine Kinder, ich liebe euch! Ach, ihr seid mein Glück! Ich wollte das Herz vergessen! O ihr Götter im Himmel! Heilige Gerechtigkeit! Euretwegen konnte meine Hand den Schlag nicht ausführen, euretwegen verlosch die unmenschliche Glut meiner Wut! Den schrecklichen Schmerz, usw. O mein Glück, ihr meine Kinder, mein Glück, ich liebe euch! Und doch fühle ich in mir bei eurem Anblick meine Wut wieder erstehen, weh! Neris, was hast du mit meinen Geschenken gemacht? |
| Neris Dein Diadem gefiel Glauce sehr, glücklich und froh rief sie nach ihren Mädchen; mit deinem Geschenk wollte sie die Stirn sich schmücken, damit Jason stolz auf sie sei! Medea Möge, o Götter, ihr frecher Jubel sie töten! Höre! Diesem Diadem verlieh ich einst mit meiner Kunst magische Kraft: ein tödliches Gift wird Glauce verzehren, wenn sie das goldene Diadem aufs Haupt setzt! Neris Medea, schwere Strafe übst du, laß dieses furchtbare Leid dir genügen! Verschone die Söhne! Ach! Schon sinkt der Tag, und bald wirst du von ihnen getrennt sein. Medea Es ist nun Zeit! Rette du meine Söhne! Der Himmel helfe dir nun gegen mich! Was denn? Ich bin Medea! Und ich lasse sie am Leben? Was geschah denn? Wo bin ich? Meine Augen sind blind! Mit Jasons Kindern könnte ich Mitleid haben? Sie sind meine Kinder ... Und wenn sie meine Kinder sind, so ist doch Jason ihr Vater! Unglückliche! Unglückliche! |
| Wie kannst du denken, Mutter zu sein? Wie kannst du des Herzens geheime Stimme anhören? Wie kannst du mütterliche Empfindungen hegen in deinem Herzen? Was tue ich? Ah! Ich muß fliehen! Ich lasse meine Söhne, mein heiß geliebtes Blut in den Händen des Verbrechers! Oh ihr schwarzen Erynnien, ihr unversöhnlichen Götter! Tötet Liebe und Mitleid in meinem Herzen! Gib den Dolch mir wieder in die Hand, aus der er fiel! Und ich will den Augenblick vergessen, in dem ich zögerte! Oh du mein zaghaftes Herz, zitternde Hand, seid niemals mehr zaghaft! Nein, niemals! Liebe soll nicht siegen, nein, nein! Chor Oh ihr Götter, habt Mitleid mit uns! Welch schreckliche Rache! Medea Oh, ein Schmerzensschrei! Oh, ein süßer Klang für mein Herz! Chor Schrecklich! Wir sind betrogen! Oh, welch schrecklicher Anblick! |
| Medea Oh, süßer als Musik ist mir dieser Klang! Jason (von außen) Arme, treue Glauce, Welch ein grausames Schicksal, weh, hat meine Liebe dir gebracht! Chor Die teuflische Zauberin soll sterben! Heiliger Blitz, erschlage sie! Jason Dieses grausame Verbrechen weiht dich dem Tode und trennt mich auf ewig von dir, und trennt mich auf ewig von dir! Medea Furien der Hölle, kommt zu mir, meine Hand ist bereit zum Stoß! Ich muß Euch töten, meine Kinder! Ich zweifle und zage nicht mehr. Furien der Hölle, zu mir! Gebt mir jetzt dieses Blut, usw. (Medea eilt in den Tempel und schließt ihn. In großer Verwirrungeilen Jason und das Volk herbei.) Jason O Himmel, o Himmel, hast du nicht Macht, dies Verbrechen zu strafen? Götter! Wo sind die Kinder? Götter, gebt sie mir zurück! Eure Güte beschütze sie! O meine treue Glauce! O du grausames Schicksal! |
| Chor Rächen, gerechter Himmel, mußt du die schreckliche Tat! O unglücklicher Vater! Laßt uns die Elende in Stücke reißen! Jason Tot soll sie zu Boden stürzen, ihr Leben sei zerstört! Chor Mit ihrem Blut, mit ihrer Angst soll sie den schrecklichen Schmerz büßen! Jason Mit ihrer Qual soll sie diesen Schmerz büßen, ihre grausame Tat soll sie mit ihrem Blut bezahlen! Chor Büßen soll sie den schrecklichen Schmerz, usw. Neris (kommt aus dem Tempel) Ach Herr, die Grausame ... Jason Sprich, rasch! Neris ... Eure Gattin ist dort im Tempel, die Grausame ... |
| Jason Um alles, was tat sie? Neris Sie jagt ihre Söhne! Sie will sie ermorden! Chor O Götter! O Mutter ohne Gefühl! Jason Wenn wir in den Tempel eindringen können, so laßt uns ihre Tat verhindern! (Medea erscheint in der Tür des Tempels. Sie hebt den Dolch hoch empor. Um sie herum die Erynnien.) Medea Halt ein! Und betrachte genau dein verhöhntes Weib! Jason Oh, schrecklicher Anblick! Chor O Schrecken! Gerechte Götter! Jason Unmenschliche Frau! Und meine Söhne? Medea Mich rächte ihr Blut! Jason Was taten sie dir, Grausame? |
| Medea Sie waren deine Söhne! Jason Götter! Medea Zum Todesfluß gehe ich! Dort erwartet dich mein Schatten! (Flammen schlagen aus dem Tempel.) |
| Jason, Neris, Chor Gerechter Himmel! O Schrecken! Erde und Himmel stehen in Flammen! Laßt uns fliehen, laßt uns fliehen von der brennenden Erde, vor dem dunklen Leid! Schon öffnet sich die Hölle! Fliehen wir diesen unglücklichen Ort! usw. ENDE |